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Steuern / Einkommensteuer 
Freitag, 11.06.2021

Für Kindergeldanspruch beim Auslandsstudium ist Bindung nach Hause wichtig

Auch wenn Kinder im Ausland studieren, können Eltern Kindergeld beziehen, sofern das Kind noch keine 25 Jahre ist. Das gilt aber nicht immer: Studienort und Studiendauer entscheiden mit. Wenn junge Menschen ein oder zwei Semester lang im Ausland studieren, ist ihre Bindung nach Deutschland im Regelfall weiterhin groß. Für solche kurzen Auslandsaufenthalte während des Studiums bleibt der Kindergeldanspruch daher ohne weitere Nachprüfung bestehen. Bei einem längeren Auslandsstudium außerhalb der EU bzw. außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) muss die Bindung zum Heimatland für den Kindergeldbezug hingegen nachgewiesen werden.

Ob ein Anspruch auf Kindergeld besteht, wenn zunächst ein nur einjähriger Auslandsaufenthalt geplant war, das Auslandsstudium dann aber verlängert wird, musste gerichtlich geklärt werden. Im Streitfall absolvierte die Tochter der Klägerin ein Studium in Australien. Beabsichtigt war, dort ein Jahr lang zu bleiben und dann das Studium in Deutschland fortzusetzen. Die junge Frau entschied sich aber nach einem Jahr, weiter in Australien zu studieren. Nach Ablauf des ersten Studienjahres stoppte die Familienkasse die Zahlung des Kindergeldes und forderte das Kindergeld für das erste Jahr wieder zurück. Da die Tochter länger als ein Jahr im Ausland bleibe, habe sie rückwirkend ihren Wohnsitz im Haushalt ihrer Mutter aufgegeben – und damit auch den Anspruch auf Kindergeld.

Das Finanzgericht Niedersachsen bestätigte zwar den Zahlungsstopp für die Zukunft, die Rückforderung für das erste Jahr sei aber nicht rechtens (Az. 5 K 168/17). Wenn von vornherein ein mehrjähriger Auslandsaufenthalt geplant sei oder das Auslandsstudium verlängert werde, bleibe der Kindergeldanspruch nur dann bestehen, wenn das Kind seinen Wohnsitz in der elterlichen Wohnung behalte. Hier müsse dann konkret nachgewiesen werden, dass die Bindung zu Deutschland weiterhin eng sei und das Kind zum Beispiel die ausbildungsfreie Zeit überwiegend zu Hause verbringe.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, denn die Familienkasse hat Beschwerde beim Bundesfinanzhof eingelegt (Az. III B 31/20).

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